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Amtshaus Grabnergasse 4

Fassadensanierung und vertikaler Garten

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Projektdaten:

Planungsbeginn: Mai 2014

Fertigstellung: Juni 2016

Auftraggeberin: MA 31 Wiener Wasser
Planung: RATAPLAN – Architektur ZT GmbH
Gemeinsam mit: Gunda Maurer, Harald Ofner
Statik: GB-Consult
Bauphysik: Schöberl und Pöll


Projektbeschreibung:

Frische Luft durch coole Dämmung
Vertikaler Garten an der Fassade des Gebäudes in der Grabnergasse 4

Welches Potential bieten begrünte Fassaden im dicht bebauten innerstädtischen Gebieten Wiens? Was bedeutet es für das städtische Kleinklima, was für das Befinden der BewohnerInnen? In welchem Ausmaß können vertikale grüne Flächen die Qualität einer Gegend steigern? Welche Struktur der Begrünung braucht eine bereits bestehende Architektur um ihr ursprüngliches Gesicht zu wahren? Soll diese überhaupt gewahrt bleiben?

Dies waren die Fragen, denen im Falle der Grabnergasse 4 im 6. Wiener Bezirk nachgegangen wurden. Es galt eine radikale, stark vertikal gegliederte Süd/West-Fassade aus den 1960-er Jahren thermisch zu sanieren und mit einer neuen „grünen“ Funktion bzw. Struktur zu kombinieren.

Lage:
Bei der Annäherung an das Gebäude über die Reinprechtsdorferstraße bzw. der Reinprechtsdorferbrücke rückt die Fassade immer weiter in das Zentrum des Blickfeldes, bis zum Erreichen der Kreuzung Grabnergasse / Mollardgasse. Dieses Faktum eröffnet der Fassade eine sehr gute Öffentlichkeitswirksamkeit. Auch bei Vorbeifahrt an der linken Wienzeile und der Schönbrunnerstraße kann das Gebäude gut gesehen werden.

Architektur:
Die vertikale Struktur des Gebäudes der 1960er Jahre wird aufgenommen und gemäß der Aufgabenstellung interpretiert. Der Rhythmus des Reliefs aus Lisenen, Parapeten und Fensterebenen bleibt weitgehend erhalten und wird durch die vorgesetzten Stahlstützen und Rankgerüste noch verstärkt. Versetzt angeordnete Tröge über jeweils zwei Fensterachsen ergeben ein neues Muster im Verbund mit der bestehenden vertikalen Struktur. Je nach Standort und Blickwinkel verändert sich die Sichtbarkeit der ursprünglichen Putzfassade. Von vis à vis nimmt man die hinzugefügte Struktur des vertikalen Gartens mehr als Betonung des Rhythmus der Fassade aus den 1960-er Jahre war. Ändert sich der Blickwinkel, vor allem aus der Ferne, verdichtet sich die vorgesetzte Struktur zu einem undurchdringbaren grünen Geflecht, von der dahinter liegenden Putzfassade ist dann nichts mehr zu erkennen.

Konstruktion:
Die statischen Untersuchungen haben ergeben, dass die Lasteinbringung in die bestehende Fassade rechnerisch nicht nachgewiesen werden konnte. Es war jedoch möglich, eine Tragkonstruktion auf eigenem Fundament vor das Gebäude zu stellen und diese (nichttragend) an die Fassade anzulehnen.
An den tragenden Stützen aus rechteckigen Hohlprofilen wurden direkt Tröge befestigt, welche die Tragkonstruktion aussteifen, einen großen Wurzelraum bilden und Sonnenschutz von oben bieten. Durch den großen Wurzelraum ergibt sich die Möglichkeit Kletter- und Rankpflanzen zu verwenden, die auf Rankgerüsten über die Geschossehöhen hinaus wachsen können. Diese bewachsenen Rankgerüste können in der Vegetationszeit den seitlichen Sonnenschutz bilden. Durch die Beimischung von immergrünen Ranken wird die seitliche Beschattung auch im Winter, wenn auch in geringerem Ausmaß, vorhanden sein. Die Rankgerüste sind so ausformuliert, dass sie die optimale Unterstützungen für die Pflanzen bilden, aber auch optisch reizvoll die Fassade gliedern, so lange diese nicht begrünt ist.

Bepflanzung:
Die Tröge sind abwechselnd mit feststehenden Sonnenschutzlamellen angeordnet und ergeben in dieser geschossweise wechselnden Konstellation ein großflächiges Gesamtmuster an der Fassade oberhalb des Erdgeschosses.
Die Bepflanzung und die Tröge bewirken eine optimale Beschattung bei gleichzeitig freiem Ausblick. Für den Fall von Blendungen kann das Tageslicht zusätzlich mittels innen liegendem Blendschutz individuell gesteuert werden.

Auswahl der Rankpflanzen:
Akebia quinata, „Akebie“
Aristolochia macrophylla, „Pfeifenwinde“
Lonicera tellmanniana, „Geißblatt“
Lonicera henryi, „Geisblatt“ immergrün
Wisteria floribunda, „Blauregen“
Zusätzlich wachsen aus den Trögen „Frühlingsgrüße“, Sommerblumen und „Spätblüher“.
Alle Pflanzen werden durch ein ausgeklügeltes Bewässerungs- und Düngungssystem versorgt.

PDF Projektblatt: 1