News     Projektliste     Info     Kontakt

1
 ⁄ 7

Ausstellungskonzept, Ernst Jandl

Literaturhaus Wien, Literaturhaus München

© 

Projektdaten:

Planungsbeginn: November 1999

Fertigstellung: November 1999

Auftraggeberin: RATAPLAN-Architektur ZT GmbH

Projektbeschreibung:

Die Ausstellung zu Jandls 75. Geburtstag ist in einer multimedialen Präsentation seines Werkes konzipiert. Diese Wahl der Darstellung liegt in der Person Jandls selbst begründet: Jandls Werk ist zu hören, zu sehen und zu lesen.
Lautsprecher mit Sprachfetzen, Texten und Geräuschen an der Straße am Eingang des Literaturhauses – mit von Jandl gelesenen Lautgedichten – lässt die Passanten aufhören und leitet die Besucher in die Ausstellung.
Im Ausstellungsraum ist das Licht diffus und dämmrig, der Raum tritt in den Hintergrund, an die Wände sind Bilder und Filme projiziert, Kopfhörer hängen griffbereit von der Decke. In den Raum ist ein einziges Objekt gestellt, durch das die gesamte Präsentation abgedeckt wird, wie eine Maschine, die alle Funktionen in sich gebündelt hat: Audio- und Video- Kojen, Diaprojektoren und Beamer, Monitore, Tafeln und Vitrinen.
Der Schlitz dieses Objektes ist hell erleuchtet und zieht die Besucher in seinen Bann. Be- und hinterleuchtete Acrylglassandwiches können die konventionellen Ausstellungselemente wie Texte und Fotos aufnehmen. Sie sind in verschiedenen Tiefen angebracht und lassen die Betrachter heran- und wegtreten. Videomonitore und eine Laufschrift sind bunte und bewegte Elemente in dieser „Zeile“.
TEXTSCHICHTEN RAUMSCHICHTEN
Der Ausstellungskörper besteht aus hintereinanderliegenden Schichtungen. Die Außenschicht ist mit Gummi bezogen, als sinnlich haptische Erfahrung. Darauf können Grafiken und Texte von Ernst Jandl aufgebracht werden. Die innere Schicht ist durch den Schlitz einsehbar und trägt die ausgestellten Objekte. Die Oberflächen des Ausstellungsraumes werden zu Trägern von weiteren Schichten: Text am Boden und projizierte Bilder an den Wänden. Außerdem können transluzente Planen mit Texten und Grafiken in die großen Fenster in München und im Bibliotheksraum und Eingangsbereich in Wien aufgehängt werden.
Zugleich ist der Ausstellungskörper ein kompaktes Element, das auf die beiden sehr unterschiedlichen räumlichen Situationen eingehen kann. Das modulare Bausystem ermöglicht die Anpassung auf die unterschiedlichen Raumgrößen.
Der Raum kann mit Musik und Interviewpassagen beschallt werden. Der Ton zur Beamerprojektion kann über Kopfhörer gehört werden. Das Konzept lässt offen, wie die Inhalte vom Kurator eingebaut werden – chronologisch oder themenbezogen – jedenfalls kompakt als konzentriertes Band.

vorsicht: frisch gestrichen

vom stuhl zum boden geworfen
vom boden zur decke geschleudert
von der decke an die wand geklatscht
von der wand gegens fenster geboxt
vom fenster auf die straße geflippt
von der straße aufs dach gekickt
vom dach in die luke gestopft
von der luke ins gebälk gerotzt
vom gebälk auf die bretter gerammt
von den brettern zur treppe geprügelt
von der treppe auf den flur geschottert
vom flur durch die tür gestaucht
von der tür auf den boden gespien
vom boden auf den stuhl geschmiert

ernst jandl

PDF Projektblatt: 1