Kohlebunkerensemble, Gelsenkirchen

Projektdaten

Projekt-Art:

Geladener Realisierungswettbewerb I Revitalisierung I Umbau I Begrünung

Ausloberin:

Stadt Gelsenkirchen, DE

Planung:

SCHALLER Architekten Stadtplaner BDA I STOA Architekten GmbH I RATAPLAN - Architektur ZT GmbH

Begrünung:

green4cities GmbH

Gemeinsam mit:

Yoko Halbwidl, Stefan Münster

Wettbewerb:

03/2022 - 06/2022

Projektbeschreibung

Im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) soll das Kohlebunkerensemble im Nordsternpark zu einem kulturell-, gastronomischen und grünen Produktionsstandort und Schauplatz werden. Ziel ist es, die drei einzelnen Gebäudekörper zu revitalisieren, öffentlich nutzbar zu machen und das unter besonderer Berücksichtigung der Klimawandelanpassung zu einem Leuchtturmprojekt zu entwickeln.

 

Entwurfskonzept
Die IGA 2027 wird zum Inkubator einer Grünen Wende im Ruhrgebiet und der ehemalige Kohlebunker ihr zentraler Erlebnisraum. Hier tauchen die Besucher:innen in dichte Naturräume ein und erleben mit allen Sinnen, welche starke und gegensätzlich atmosphärische Umgebungen natürlich entstehen können. Die Kohlemischanlage dient nun als Labor und Erlebnisort, wo Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Strategien für den Wandel zu entwickeln und ihn in die Welt zu tragen. „Seed and Spread“ als Sinnbild für die Wendung hin zu grünen Städten. Vom vormals staubigen Kohlebunker hin zur grünen Lunge werden die Trichter der ehemaligen Energiespeicher begehbar und zu einem Ort der Begegnung und Erprobung. Mit dem Ziel, zusammen etwas Neues zu schaffen und den grünen Gedanken zu verbreiten, entsteht die Idee private und öffentliche Initiativen sowie Institutionen schon im Vorfeld der IGA zu involvieren. Ein „Green Bus“ tourt durch das Ruhrgebiet, verteilt Informationsmaterial und animiert Interessent:innen an Workshops im ehemaligen Kohlebunker teilzunehmen – „Seed and Spread“.

 

SEED: Umsetzung Kohlenbunker
Das Gebäude öffnet sich durch die Entfernung der desolaten äußeren Hülle. Der Blick fällt auf die ursprünglichen Organe, die ehemals zur Zwischenspeicherung fossiler Energieträger dienten. So können Natur und neue Nutzungen einziehen: das Innere der Trichter wird zu Projektionsflächen für Künstler:innen, im Naturpark laden gastronomische Bereiche zum Verweilen ein. Deutlich von der historischen Konstruktion abgehoben, bilden sie einen Kontrast zum verbliebenen Bestand. Der ebenerdige Zugang bettet das Objekt horizontal in die Landschaft ein, die Verknüpfung erfolgt über einen grünen Aufstieg, der die Grenzen zwischen Landschaft und Architektur für die Besucher:innen erlebbar macht. Zwei Personenaufzüge, einer davon ein Panoramaaufzug, sorgen für den barrierefreien Zugang zu allen Etagen. Notwendige neue Bauteile entstehen unter Wiederverwendung der abgetragenen Klinkersteine, durch Einsatz von Profilglas und Stahlbeton sowie mithilfe von Stahlkonstruktionen.

 

AND: Umsetzung Brücke
Die Bandbrücke ist das verbindende Element des Kohlenbunkerensembles. Von ihrer Ziegelfassade entkleidet, bildet sie einen nahtlosen Übergang in die Landschaft. Die Tragkonstruktion der Brücke fungiert zudem als Wasserversorgungsleitung der Glashäuser, die mit dem aufbereiteten Wasser aus dem Sammelbecken gespeist wird.

 

SPREAD: Umsetzung Mischanlage
Die Stahltragstruktur des Gebäudes wird aus Gründen des Korrosionsschutzes komplett freigelegt. Jene Außenwände, die einer thermischen Hülle bedürfen, werden mit den abgetragenen Klinkersteinen zweischalig, mit Kerndämmung aufgebaut. Die Glashauskonstruktion entsteht mit speziellem Augenmerk auf die Be- und Entlüftbarkeit aus standardisierten Systemen der Agrarindustrie.

 

Grünanlagen, Bau und Betrieb
Das Vegetationskonzept folgt den klimatischen Standortbedingungen und unterstützt diese. Die Gräserlandschaft am Dach gedeiht auf einem Retentionsdachaufbau, der mit den lokalen Niederschlägen auskommen soll. Die darunter liegende Waldsaumschicht auf Höhe der Restaurantebene wächst auf großflächig ausgebildeten Pflanztrögen mit Anstaubewässerung. Living-Wall-Systeme werden in den Trichtern vorgesehen – hier ist der Wasserdruck aus der hochliegenden Zisterne ausreichend groß und die Wartung ohne Hubgeräte möglich. Im Sockelgeschoss des nördlichen Bereiches befindet sich eine Reihe von Pflanztrögen, die zur Versorgung der Kletterpflanzen linear bewässert werden. Im südlichen Bereich kann dies bodengebunden geschehen.

 

Pflanzenarten
Boden- und trichtergebundene Kletterpflanzen (Wein, Wisteria)
Farne, Moos, Schattenstauden
Beerensträucher, Pioniergehölze

 

Energetisches Konzept
Es gilt das Prinzip „Weniger ist Mehr“ und „Ressourcen nutzen, die vorhanden sind“. So werden nur die Gastronomieflächen in Ebene 2, sämtliche Büros und die Verwaltung, sowie Informationsbereiche und Gewächshäuser durch Geothermie mit Wärmepumpen beheizt. Sommerliche Abwärme könnte in Erdkernpufferspeicher eingebracht werden. Zur Energiegewinnung dient eine Photovoltaikanlage, welche den Wasserkreislauf mitsamt den Pumpen antreibt.